Pentatonik auf der Gitarre lernen: So klappt's

Was ist eine Pentatonik und warum wird sie gerade für Anfänger oft zum Einstieg in die Welt der Improvisation benutzt? Wir erklären dir, wie die Pentatonik auf der Gitarre funktioniert, wie sie eingesetzt wird und welche verschiedenen Arten es gibt.

Die Pentatonik-Tonleiter - was ist das?

Der Begriff “Penta” kommt aus dem Griechischen und bedeutet fünf. Die Pentatonik-Skala ist also einfach erklärt eine Tonleiter mit nur fünf statt sieben Tönen wie bei einer Dur - oder Moll-Tonleiter üblich. 

Bei der Pentatonik werden die Halbtonschritte, die in der Dur- und Moll-Tonleiter vorkommen, weggelassen. Das hat zum einen Auswirkungen auf den Klang und zum anderen auf die Spielbarkeit der Tonleiter.

Warum spielt man die Pentatonik auf der Gitarre?

Egal ob Blues, Rock oder Metal, die Pentatonik ist stilistisch vielseitig einsetzbar, sogar im Jazz wird sie ebenfalls verwendet. Man kann sie wohl die beliebteste Tonleiter auf der Gitarre nennen. 

Das liegt zum einen daran, dass sie durch ihre fünf Töne recht einfach zu lernen und zu spielen ist. Man kann sie auf dem Griffbrett gut darstellen und kommt in den sogenannten Pattern immer mit zwei Tönen pro Saite aus.

Die Pentatonik kann man sowohl auf der E-Gitarre als auch auf der Akustikgitarre spielen.

Zum anderen klingt sie im Blues und Rock Kontext einfach gut. Sie ist durch die zwei fehlenden Töne, die harmonisch kritisch sein können, viel bedenkenloser und einfacher einzusetzen als eine komplette Tonleiter.

Nur für Anfänger?

Das klingt jetzt erstmal so, als wäre die Pentatonik ein billiger Abklatsch einer Dur - oder Moll-Tonleiter und nur etwas für Anfänger, das ist aber nicht so!

Viele ikonische Gitarristen benutzen die Pentatonik zum solieren, zum Beispiel:

Jimi Hendrix, B.B. King, Eric Clapton, Jimmy Page, Billy Gibbons, Angus Young, Stevie Ray Vaughan und David Gilmour, um nur einige zu nennen.

Welche Pentatoniken gibt es?

Um einen Überblick über alle Pentatoniken auf der Gitarre zu haben musst du lediglich drei verschiedene Arten können:

  • Moll-Pentatonik

  • Dur-Pentatonik

  • Blues-Pentatonik - auch Blues-Tonleiter genannt


Wir schauen uns den Aufbau und die Unterschiede mal genauer an:

Die Moll Pentatonik - die wichtigste Pentatonik für die Gitarre

Die Moll-Pentatonik ist sehr oft die erste Tonleiter, die man auf der Gitarre lernt.

Man könnte sie auch die wichtigste Pentatonik für die Gitarre nennen.
Fast immer beginnt man mit der A-Moll Pentatonik aus einem einfachen Grund: 

A-Moll hat, wie ihre Paralleltonart C-Dur, keine Vorzeichen.

Wenn du dich mit Tonleitern noch gar nicht auskennst  und mehr erfahren möchtest, lies dir unseren Artikel Tonleitern auf der Gitarre lernen durch.


Wir schauen uns kurz den Unterschied zwischen einer A-Moll Tonleiter und einer A-Moll Pentatonik an:

Die A-Moll Tonleiter besteht aus den Tönen A - B - C - D - E - F - G - A

Die Klammern über den Noten stellen die Halbtonschritte dar, sie befinden sich  zwischen dem 2. - 3. und 5. - 6. Ton, also zwischen den Tönen B - C und E - F

Dieser Aufbau gilt für jede Moll-Tonleiter, wodurch der spezifische Moll-Klang entsteht.
Bei der A-Moll Pentatonik fallen jetzt zwei Töne weg: Ton B und Ton F.

Die Tonfolge ist dann A - C - D - E - G - A



Auffällig ist, dass die Halbtonschritte nun entfallen, zwischen den Tönen A - C und  E - G entsteht dabei ein größerer Abstand von jeweils 1 ½ Ganztonschritten.

Wie schon vorher erwähnt, klingt die Pentatonik dadurch etwas gefälliger als die Moll-Tonleiter. Die Töne B und F können je nach Harmonie - also die Akkordstruktur, über die gespielt wird - einen spannungsvollen Klang erzeugen.

Das könnt Ihr selbst relativ leicht ausprobieren, schlagt die leere A-Saite auf der Gitarre an und spielt dann den Ton F im 6.Bund auf der B-Saite.

Dieses Intervall der kleinen Sexte wird subjektiv von vielen Menschen als unschön empfunden. Der wertungsfreie Fachbegriff dafür  wäre "dissonant”.

Interessiert es dich, wie man die A-Moll-Tonleiter auf dem Klavier spielt? Dann lies dir unseren Klavierartikel Pentatonische Tonleiter durch.

Die Dur Pentatonik 

Jede Dur-Tonleiter hat eine parallele Moll-Tonleiter.

Als Hilfe schau dir unseren Artikel über den Quintenzirkel an, hier siehst du in dem Diagramm direkt, welche Tonarten miteinander verwandt sind. 

Wir nehmen jetzt wieder die Töne der A-Moll Tonleiter, die parallele Dur-Tonleiter ist C-Dur mit folgender Tonfolge:

C - D - E - F - G - A - B - C


Die Klammern über den Noten stehen wieder für die Halbtonschritte, genau wie bei der A-Moll Tonleiter sind diese zwischen den Tönen E - F und B - C

Sie befinden sich jetzt zwischen dem 3. - 4. und 7. - 8. Ton der Tonleiter.

Dieser Aufbau gilt für jede Dur-Tonleiter und macht den spezifischen Dur-Klang aus.

Bei der C-Dur Pentatonik fallen ebenfalls wieder die Halbtonschritte weg, also die Töne F und B.

Die Tonfolge ist dann:

C - D - E - G - A - C


Die C-Dur Pentatonik hat also die gleichen Töne wie die A-Moll Pentatonik, nur dass man vom Ton C aus startet. 

Die Blues Pentatonik

Die Blues-Tonleiter ist dem Aufbau der Pentatonik sehr ähnlich, genauer gesagt der Moll-Pentatonik.

Der einzige Unterschied zur Moll-Pentatonik besteht in einem zusätzlichen Ton, der auch "Blue-Note" genannt wird. 

Hinzugefügt wird die verminderte Quinte, der chromatische Zwischenton zwischen Quarte und Quinte.

Bei der Blues-Pentatonik in A-Moll wäre das der Ton Es, die Tonfolge sieht dann wie folgt aus:

A - C - D - Es - E - G - A

Die Blue-Note nimmt der Pentatonik ihre Glätte, die verminderte Quinte ist ein sehr dissonantes und spannungsreiches Intervall. 

Blue-Notes haben eine afrikanische Herkunft und werden in der pentatonischen Blues-Melodik eingesetzt. Mit diesen Zwischentönen versucht man den charakteristischen Klang der afrikanischen Musik nachzuahmen. 

Die Blues-Tonleiter wird vor allem - wie der Name schon vermuten lässt - im Blues, aber auch im Pop-Rock Bereich angewandt.

Wann benutze ich welche Pentatonik auf der Gitarre?

Wann welche Pentatonik zum Einsatz kommt, hängt vom Akkord bzw der Tonart, über die gespielt wird, ab. 

Wird nur ein Akkord gespielt, ist das recht einfach, zum Beispiel über G-Dur spielt man die G-Dur Pentatonik, über G-Moll die G-Moll Pentatonik.

Bei einer Akkordfolge muss man die Grundtonart kennen, oftmals ist dies der letzte oder auch der erste Akkord in einem Song.

Zur Bestimmung einer Tonart hilft dir auch der Quintenzirkel weiter.

Beispiele: Ist ein Song in der Tonart F-Dur, benutzt man die F-Dur Pentatonik, für die Tonart E-Moll die E-Moll Pentatonik.

Ob nun über eine Moll-Tonart ebenfalls die Blues-Pentatonik passt, solltest du frei ausprobieren. Über einen Pop-Song könnte die Blues-Tonleiter evtl. zu spannungsvoll sein, dies ist aber persönlicher Geschmack.

Die Pentatonik im Blues

Spielst du die Pentatonik über eine Blues-Form gibt es tatsächlich mehrere Möglichkeiten:

  • Moll-Blues: hier passt sowohl die Moll-Pentatonik als auch die Blues-Pentatonik
    Hier kommt die Blue-Note der Blues-Tonleiter voll zur Geltung, sie ist ein sehr wichtiges Stilmittel bei der Blues-Improvisation.

  • Dur-Blues: Hier kannst du sogar alle drei Formen der Pentatonik anwenden.
    Die Dur-Pentatonik wird hier einen klaren und fröhlichen Sound erzeugen, je nach Song ist das gewünscht oder eher nicht.

Die Moll-Pentatonik und die Blues-Pentatonik lassen sich auch über einen Dur-Blues spielen. Die Spannung, die dabei erzeugt wird, ist typisch für viele Blues-Soli. Hier spielt die kleine Terz der Moll-Pentatonik eine wichtige Rolle, oftmals wird sie auch um einen ¼ oder ½ Ton gezogen, um noch mehr Spannung zu erzeugen.

Übungen für die Pentatonik auf der Gitarre - die fünf Griffdiagramme

Um nun die Töne der Pentatonik auf das gesamte Griffbrett zu übertragen, gibt es sogenannte Griffbrett-Pattern. Diese zeigen dir genau, wo du die Töne findest und greifen musst, das Griffbrett wird dabei in fünf Positionen unterteilt.

Wir beginnen mit der A-Moll Pentatonik, diese ist am gängigsten, unser Gitarren-Kurs startet ebenfalls damit.

Die Pentatonik-Pattern in A-Moll bekommst du von uns als PDF.

Wie du siehst, werden immer zwei Töne pro Saite gespielt. Die Fingersätze für die Pentatonik ergeben sich eigentlich automatisch,  versuche immer, mit den vier Fingern der Greifhand vier Bünde abzudecken.

Die quadratischen Töne sind die Grundtöne, in diesem Fall also der Ton A. Diese solltest Du dir auf jeden Fall einprägen!

Zum einen ist der Grundton das tonale Zentrum für unser Gehör, danach wird der Klang aller folgenden Töne eingeordnet. Beginne also immer auf dem Grundton, wenn du ein Pattern spielst, auch wenn er nicht der erste Ton im Pattern ist, sondern irgendwo mittendrin liegt!

Der zweite Vorteil: Wenn du die Lage der Grundtöne in den Pattern kennst, kannst du die Pentatonik ganz leicht in eine andere Tonart verschieben.

Beispiel: Bei Pattern 2 ist der Grundton der erste gespielte Ton auf der tiefen E-Saite. Wie in der Pentatonik Tabelle zu sehen ist, startest du für die A-Moll Pentatonik im 5.Bund auf der tiefen E-Saite, da sich dort ja der Ton A befindet.

Verschiebst du nun Pattern 2 in den dritten Bund und beginnst ab dort zu spielen, erklingt die G-Moll Pentatonik.

Zum Ändern der Tonart musst du also die Töne auf der E - und A-Saite kennen, hier eine Griffbrett-Übersicht als kostenloses PDF zum Download. 

Wie verbindet man die fünf Pentatonik-Pattern auf der Gitarre? 

Wenn du dich mit den fünf Pentatonik-Positionen schon vertraut gemacht hast, kannst du nun versuchen, die Pattern zu verbinden.

So kannst du dann frei über das ganze Griffbrett spielen. Dies hilft auch generell, einen besseren Überblick über das Griffbrett zu bekommen.

Als Übung dazu spielen wir nun die Töne der Pentatonik, wieder in der Tonart A-Moll, nur auf einer Saite.

Schau dir dazu als Überblick zuerst folgende Grafiken an:

Pentatonik auf einer Saite (Tonart A-Moll)


Hier siehst du, wo auf jeder einzelnen Saite die Töne der A-Moll Pentatonik liegen.

Dies ist erstmal schwerer zu spielen, auch wenn es sich nur um einzelne Töne handelt. Horizontal auf einer Saite gespielt, kann das Auge kein klares Muster erkennen wie vorher bei den fünf Griffbrett-Pattern.

Versuche dir trotzdem beim Spielen vorzustellen, in welchem Pattern der Pentatonik du dich gerade befindest!

Wenn du lieber nach Tabulatur spielen möchtest, hier eine PDF mit verschiedenen Übungen und Licks, um das Spielen der Pentatonik auf einer Saite zu lernen.

Pentatonik auf der Gitarre: Übungen mit Tabulatur

Wie klingt die Pentatonik? Zwei Hörbeispiele

Zum Abschluss zwei Klangbeispiele als Ausblick auf unseren Gitarren-Kurs: 

zwei kurze Beispiel-Licks in der Tonart A-Moll

Lick 1 wird mit  Pattern 2 der A-Moll Pentatonik gespielt, das ganze wird in Noten und Tabs dargestellt:


Lick 2 wird ebenfalls mit Pattern 2 gespielt, diesmal allerdings mit der Blues-Pentatonik in A-Moll. Hier kommt also die Blue-Note zum Einsatz.

In der folgenden Grafik siehst du, wo die Blue-Notes in Pattern 2 liegen.

Sie werden hier als blaue Rauten dargestellt.

Beispiel 2 mit  Noten und Tabulatur:

Fazit zur Pentatonik für die Gitarre

Die Pentatonik bietet also einen guten Einstieg zum Improvisieren auf der Gitarre, für Blues - und Rock-Soli ist sie quasi Pflicht. 

Gerade als Einsteiger kommt man hier schnell zu einem guten Klangergebnis. Wenn man Gitarre spielt, sollte man sich also auf jeden Fall mit der Pentatonik auseinandersetzen.

In unserem Gitarren-Kurs erklären wir dir Stück für Stück, wie man mit der Pentatonik ein schönes Gitarrensolo aufbaut. 

Im Kurs findest du Übungen, Beispiel-Soli und natürlich auch klassische Gitarrensoli zum Nachspielen.

geschrieben von:
Mirco Sontag
Mirco Sontag

Gitarrenlehrer

Beitrag zuletzt aktualisiert: 12.01.2024
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